Vellern: Das Alte Pfarrhaus Drucken

 

Eine kurze Geschichte des Alten Pfarrhauses

altes_pfarrhaus_vellern_klein trgriffaltespfarrhaus_sm1Aus den Unterlagen des Pfarrarchivs geht hervor, daß das Haus unter Georg Rudolf Joseph Dankelmann, der von 1742 - 1774 Pfarrer in Vellern war, errichtet wurde. Das Alte Pfarrhaus ist ein typisches westfälisches 2-Ständer-Bauernhaus, in dem Menschen und Vieh unter einem Dach lebten. Ältere Gemeindemitglieder erinnern sich noch, dass Pfarrer Tümler, der von 1886 - 1916 in Vellern wirkte, ein Pferd sowie Kühe und Schweine hatte. Sein Nachfolger, Dr. Dr. Sunder, ließ einen Teil der nicht mehr benötigten Stallungen zur Wohnung umbauen. Pfarrer August Ostholt, der 1951 nach Vellern kam, wohnte nur noch kurze Zeit im Alten Pfarrhaus und zog bereits 1954 ins "neue" Pfarrhaus.
 

In der Folgezeit wurde das alte Haus für vielfältige Zwecke genutzt – Küsterwohnung, Klassenraum für die zu klein gewordene Volksschule, Raum für die Jugendgruppen, Übungsraum für den altes_pfarrhaus_vellern_innen_klein Kirchenchor usw. Durch diese erneute Umnutzung des Hauses war wieder ein Umbau nötig geworden. Es ist nicht verwunderlich, dass im Rahmen solcher Arbeiten der ursprünglichen Bausubstanz gravierende Beschädigungen zugefügt wurden. Als Ende der siebziger Jahre ein neues Gemeindehaus gebaut werden sollte und sich dieses nicht finanzieren ließ, beschloß man, das alte Haus von Grund auf zu renovieren und dann der Nutzung durch die Gemeindemitglieder zuzuführen. Eine Entkernung des Gebäudes zeigte noch manche Originaldetails, die auch nach der Wiedernutzung sichtbar sind, z.B. zwei Gefache, an denen altes_pfarrhaus_vellern_gefache_kleinnoch die ursprüngliche Bauweise mit Weidengeflecht und Lehmbewurf sichtbar ist, die alten Pfosten und Deckenbalken, zwei Luken, durch die Stroh und Vorräte in den Bodenraumgelangen konnten, ja sogar ein Schwalbennest (heute leider durch Reinigungsarbeiten (!) entfernt). Bei der Einweihung des renovierten Alten Pfarrhauses am 6./7. November 1982 konnte der damalige Pfarrer Clemens Röer feststellen, dass es in der Gemeinde eine große Bereitschaft zur Mitarbeit gibt. Er wünschte dem Haus, „dass es der Gemeinde im Sinne der neuen Inschrift (s.unten) zur Heimat werde und neues Leben sich im Alten Pfarrhaus entfalte.“ ; ein Wunsch, der sich schon sehr bald in vollem Umfang erfüllt hat, gibtaltes_pfarrhaus_vellern_eingang_klein es doch wohl keinen Tag der Woche, an dem nicht volles Leben in dem alten Gemäuer pulsiert: Chorproben, Versammlungen, Kurse, Gymnastik- und Bastelabende, gesellige Veranstaltungen. Überörtlich, ja überregional lockt das Haus Besucher an durch die jeweils im Januar stattfindenen plattdeutschen Theaterstücke der Laienspielschar und durch die bisher schon weit über 300 Kammerkonzerte der Reihe „Musik im Alten Pfarrhaus“. (Dieser Text basiert auf dem Heft: „Das Alte Pfarrhaus in Vellern“, das in der Kirche ausliegt und noch weitere Informationen – besonders zum Bau – enthält. - Fotos: Herbert Pälmke). 

 

Zwei Chronogramme
 
Die Inschrift im Torbogen des Vüörschöpsels nennt eine wesentliche Aufgabe des Pastors. chronogramm1745_klein

 

 

 

                                   Chronogramm 1745                                    

PRO STABVLIS QVAE PONIT
OVIS QVI SVRRIGIT AEDES,
PASTOR QVI CHRISTI
DEBET OVILE DARE
ANNO 1745 10. JULY

 "Der dieses Haus baut, errichtet es als Schafstall, denn der Hirt muß der Herde Christi eine Heimat (wörtlich: einen Pferch) geben."

 

Nach der Renovierung des Hauses schuf Hubert Maibaum das folgende Chronogramm,
das über der Glastür im Innern zu finden ist. chronogramm1982_klein

 

 

    Chronogramm 1982

HAEC DOMVS
A PRIORIBVS POSITA
A PROSTERIORIBVS REFECTA
CVNCTIS SALVTI

(Dieses Haus • von den Vorfahren gebaut • von den Nachfahren erneuert • allen zum Wohl)

Von Hubert Maibaum stammt auch die folgende Erklärung: Inschriften dieser Art, die sich in großer Anzahl an und in Kirchen und Gedenksteinen finden lassen, bezeichnet man als Chronogramme : bestimmte Buchstaben stehen als römische Zahlenzeichen,so z.B. I für 1, V für 5, L für 50, C für 100, D für 500, M für 1000; das große U sieht genau aus wie V. Zählt man nun die größer gesetzten Buchstaben als Zahlenzeichen zusammen, so erhält man 1982, also das Jahr der Renovierung des Alten Pfarrhauses. Mit dieser lateinischen Fassung wird eine deutliche Beziehung zu der Balkeninschrift über dem Haupteingang hergestellt. Also nur für Kenner der lateinischen Sprache? Sicherlich nicht! Und bestimmt waren unsere Vorfahren hier im Dorf, denen die alte Inschrift zugemutet wurde, nicht besser dran als wir heute. Im Gegenteil!

 

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